Hitze und neue Krankheiten: Wie der Klimawandel die Gesundheitsysteme belastet

Stand: 26.10.2022 06:30 Uhr

Mehr Hitzeerkrankungen, neue Infektionskrankheiten und Ernährungsunsicherheit: Der Klimawandel setzt unsere Gesundheitssysteme zunehmend unter Druck. Das zeigt eine neue Lektion. Aber es gibt eine Lösung.

Geschrieben von Lena Puttfarcken, SWR

Nach mehr als zwei Jahren Epidemie sind die Gesundheitssysteme weltweit bereits schwach – doch der Klimawandel wird sie in Zukunft noch stärker belasten. So steigt beispielsweise das Risiko, an Hitze zu sterben: Bei Menschen über 65 Jahren ist es heute um 68 Prozent höher als zu Beginn des Jahrtausends. Das ist der Bericht eines internationalen Forscherteams im Fachblatt „The Lancet“.

Der Bericht trägt den Titel „Life at the mercy of fossil fuels“. Es ist der siebte Bericht in der Reihe Lancet Countdowns. Diesmal arbeiteten 99 Experten von mehr als 50 Organisationen daran, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Zuständig war die University of London.

Hitzewellen in Europa auf dem Vormarsch

Neben dem globalen Bericht gibt es auch regionale Versionen, die zum Beispiel die Auswirkungen des Klimas für Europa analysieren. Im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2009 erlitten die Europäer im letzten Jahrzehnt 57 Prozent mehr Hitze. Zudem begünstigt das warme Klima Europas die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Dengue-Fieber, Malaria oder West-Nil-Fieber.

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„Die Covid-19-Pandemie hat uns zweifellos gezeigt, dass die Gesundheit der Europäer vor Gesundheitsrisiken geschützt werden muss. Aber jetzt sehen wir, dass die zunehmenden gesundheitlichen Folgen des Klimawandels kurz- und langfristig mehr Druck auf die Gesundheitssysteme ausüben “, sagt Maria Nilson, Vorsitzende von Lancet Countdown Europe und Professorin für öffentliche Gesundheitswissenschaften an der Universität Umeå in Schweden. . “Um eine gesunde und nachhaltige Zukunft zu gewährleisten, brauchen wir umwelt- und klimaverträgliche Gesundheitssysteme, die die aktuellen und zukünftigen gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels reduzieren, nicht das Risiko zukünftiger Epidemien.”

Der Klimawandel bedroht auch die Ernte

Neben Hitze und Infektionskrankheiten warnt der Bericht auch vor zunehmenden Problemen der Ernährungssicherheit. Hohe Temperaturen verkürzen beispielsweise die Vegetationsperiode von Mais und Weizen, und extreme Wetterbedingungen können Ernten schaden. Laut der Analyse der Forschungsgruppe waren im Jahr 2020 im Vergleich zum Zeitraum von 1981 bis 2010 etwa 98 Millionen Menschen aufgrund extremer Hitze von Ernährungsunsicherheit bedroht. Diese Probleme werden durch den Krieg in der Ukraine verschärft, der zu Versorgungsengpässen führt. , unter anderem hat.

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Anpassungstechniken, die entwickelt wurden

Diese zusätzlichen Bedrohungen durch den Klimawandel machen die Anpassung noch wichtiger. Dem Bericht zufolge hat erst die Hälfte der bisher analysierten Länder analysiert, ob sich ihr Gesundheitssystem künftig an die Auswirkungen des Klimas anpassen muss. Der Klimawandel, der in Städten eine große Rolle spielt, befindet sich bisher auf einem globalen Tiefpunkt. Von den 1.038 analysierten urbanen Zentren weist der Bericht darauf hin, dass nur 27 Prozent eine mäßige Begrünung aufweisen, obwohl Pflanzen für die städtische Kühlung wirklich wichtig sind. Stattdessen greifen immer mehr Haushalte zu energieintensiven Klimaanlagen.

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Ein weiterer Punkt: Dem Bericht zufolge sind die Länder immer noch stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Die eigentlich im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Erderwärmungsgrenze von 1,5 Grad Celsius wird so nicht eingehalten.

Lösungsvorschläge im Fokus

Allerdings bietet der Bericht auch einige Hoffnungsschimmer. Die Medien auf der ganzen Welt berichten regelmäßig über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit, und auch die Politik befasst sich regelmäßig mit diesen Themen. Obwohl der Energiesektor noch weit davon entfernt ist, erneuerbar zu sein, wurden bis 2021 80 % der Investitionen im Stromsektor in Energiequellen getätigt, die keine fossilen Brennstoffe enthalten.

Der Bericht bietet auch konkrete Lösungsansätze. Eine ausgewogene und pflanzliche Ernährung kann viele Vorteile haben. Im Agrarsektor würden 55 Prozent der Emissionen aus der Rotfleisch- und Milchproduktion eingespart. Außerdem wird es jedes Jahr rund 11,5 Millionen Todesfälle verhindern und das Risiko von Zoonosen verringern – von Tieren auf Menschen übertragbare Infektionskrankheiten wie Covid-19.

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