In Deutschland verboten: Asche von Mittweidaer wird im Ausland verstreut | Freie Presse

Blumen und Friedhofslichter standen plötzlich vor dem geschlossenen Laden in der Weberstraße, Mittweida. Dahinter steckt eine Trennungsgeschichte – die in Deutschland unmöglich ist.

Mittweida.

„Wir wollen meinem Vater den letzten Wunsch erfüllen“, sagt Tanja Vestner gegenüber der „Freien Presse“. Neben ihm auf dem Tisch stehe eine Urne mit der Asche seines Vaters, sagt er. “Wir werden mit ihm das Bergsteigen machen, so wie er es sein ganzes Leben lang machen wollte.” Bei diesen Wettbewerben rasen Autofahrer bergauf. Zeit seines Lebens hatte Gerhard Hopfhauer aus Mittweida dazu keine Gelegenheit: Er starb am 29. Oktober im Alter von 71 Jahren.

Nun will seine Schweizer Familie seinen Urin im Auto zum Finalrennen mitnehmen. Was in der Schweiz erlaubt ist, ist in Deutschland möglicherweise nicht möglich.

Teilehändler und viele Freunde in Mittweida

Seine Tochter Gerhard Hopfhauer, gebürtige Schwäbin, lebte rund 20 Jahre in Mittweida, zuletzt betrieb der gelernte Kfz-Mechaniker und Schlosser ein Autoteilegeschäft in der Weberstraße und machte sich in der Stadt einen Namen. In der Nacht vor dem Schlaganfall war er bei seinem wöchentlichen Bowlingspiel.

Auch Lesen :  Corona-Isolationspflicht in Bayern aufgehoben: Holetschek verkündet Ende der Regel – mit einer Auflage

Am 19. November wurde der 71-Jährige ins Krankenhaus eingeliefert. Tanja Vestner verließ die Schweiz, ihre beiden Schwestern aus Deutschland. Sie begleiteten ihn eine Woche lang ins Krankenhaus. Und er überlegte, welche Art des Abschieds zu seinem Vater passen würde. Er sagt, eine normale Beerdigung auf einem Friedhof mit Nachrufen hätte nicht gereicht. Sein Vater war immer beschäftigt, oft unterwegs, mit vielen Namen.

Verabschieden Sie sich von Orten, die Gerhard Hopfhauer wichtig waren

Tanja Vestner sagt: „Wir haben alles anders gemacht.“ Die Familie kontaktierte ihre Freunde auf Facebook und Whatsapp und lud sie zu einer Abschiedstour ein. Am 11. November trafen sie sich vor einem Baumarkt. Tanja Vestner hielt eine Rede und Anekdoten über das Leben ihres Vaters ausgetauscht, anschließend gingen zwölf Personen ins Café Nr. 14 West St. Dort wohnte Gerhard Hopfhauer.

Auch Lesen :  Ehrliche Finder auf Mallorca: "Goodbye Deutschland"-Auswanderer Steff Jerkel hat seine Golftasche wieder

Inhaberin Ines Haferkorn kennt ihn: Wenn er dort war, kam er immer mit jemandem ins Gespräch. Ines Haferkorn sagt: “Er war besonders, aber sehr freundlich und flexibel. Er hat ihn vor vier Jahren kennengelernt, als er Ersatzteile für sein Auto gesucht hat. “Er war kein trauriges Kind”. Und so “war es kein typische Trauerveranstaltung“, resümiert er. „Die Atmosphäre war sehr entspannt.“

Das wollten seine Töchter. Tanja Vestner arbeitet in der Schweiz unter anderem als Trauerrednerin. „Das Thema Tod ist bei uns so alltäglich, dass ich nicht mehr darüber reden kann“, sagt die 48-Jährige, die mit ihrem Mann und sieben Kindern in einem Haus am Rheinfall lebt.

Die Familie entschied, dass ihr Vater nicht in Mittweida beerdigt werden sollte. Stattdessen brachten sie die Urne in die Schweiz. Jetzt ist ihr Vater, der Großvater der Kinder, bei ihnen. Die Urne steht auf dem Esstisch im Wohnzimmer. Kinder zünden Kerzen an. Der Abschied von seinem Großvater sei ihm sehr wichtig, sagt Tanja Vestner. „Wir nehmen ihn wieder mit zum Bowling.“

Auch Lesen :  Nachrichten aus Pinneberg, Segeberg, Stormarn | NDR.de - Nachrichten - Schleswig-Holstein

Pflichtfriedhöfe in Deutschland – aber nicht in der Schweiz

Das wäre in Deutschland nicht möglich gewesen. Es gibt eine sogenannte Friedhofspflicht. Der Verstorbene muss auf einem Friedhof beigesetzt werden, ausnahmsweise ist eine Naturbestattung zulässig. Die Beerdigung im eigenen Garten sei bundesweit verboten, sagte Tobias Wenzel, Landesvorsitzender des Bäckerverbandes Sachsen. Angehörige dürfen in Deutschland nicht selbst über den Leichnam verfügen, sie sind immer in Obhut des Verstorbenen. Tobias Wenzel berichtet aus eigener Erfahrung, dass es Anfragen gibt, einen Sterbenden ins Ausland zu schicken. Aber per Kurier ist es erlaubt und möglich.

Tanja Vestner sagt: “Wir werden seine Asche auf den Berg streuen”, mit dem Urin ihres Vaters neben sich. „Das passt am besten zu ihm. Wir erinnern uns an ihn, wenn wir Bowling gehen oder wenn wir ein altes Auto sehen. Für uns ist Papa überall.“

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button