Krieg gegen die Ukraine: Tote nach russischem Beschuss in Cherson – Kampf gegen Blackouts hält an

Aktualisiert am 24.11.2022 um 23:14 Uhr

  • Sieben Menschen wurden bei russischem Beschuss in der kürzlich von ukrainischen Truppen befreiten Stadt Cherson getötet.
  • Ein hohes Gebäude wurde ebenfalls beschädigt und brannte nieder.
  • Reparaturen an der Strom- und Wasserversorgung laufen derweil auf Hochtouren – doch die Lage bleibt äußerst angespannt. Die Sonne auf einen Blick.

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Bei einem russischen Beschuss in der südukrainischen Stadt Cherson sind am Donnerstag nach Angaben regionaler Behörden sieben Menschen getötet worden. Die kürzlich von ukrainischen Truppen besetzte Stadt sei von Artillerie und mehreren Raketenwerfern bombardiert worden, sagte Regionalgouverneur Jaroslaw Januschewitsch. Er meldete sechs Verletzte. Als Folge der Klage geriet ein Hochhaus in Brand. Eine Kugel traf den Kinderspielplatz.

Unter dem Druck der ukrainischen Offensive evakuierten russische Truppen Mitte November Cherson und ihren Brückenkopf am Nordwestufer des Dnjepr. Die Russen hielten jedoch Stellungen am anderen Ufer des Flusses und setzten von dort aus ihre Artillerie ein. Die Situation in der Stadt gilt als sehr schwierig. Die ukrainischen Behörden boten Zivilisten einen vorübergehenden Urlaub in Cherson an.

Nach dem Blackout: Auch die Reparaturen laufen auf Hochtouren

Neun Monate nach Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine wird die Lage der Zivilbevölkerung angesichts russischer Angriffe und Kälte immer verzweifelter. Nach einem massiven russischen Angriff und dem Ausfall der Strom- und Wasserversorgung laufen die Reparaturen auf Hochtouren – doch die Lage blieb am Donnerstag äußerst angespannt.

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Der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Timoschenko, sagte, dass das Stromnetz der Ukraine wiederhergestellt sei. Er gab jedoch nicht an, wie viele Haushalte nach den Stromausfällen am Vortag wieder mit Strom versorgt worden waren. Von den Angriffen war nicht nur das Netz betroffen, sondern vor allem die wichtigen Umspannwerke.

Das staatliche Nuklearunternehmen Enerhoatom hat angekündigt, die für die nächtliche Stromerzeugung verantwortlichen Kernkraftwerke wieder ans Netz zu bringen. Mehrere Kernkraftwerke wurden im Zuge der Anschläge automatisch abgeschaltet.

In Kiew wurde die Wasserversorgung wiederhergestellt

Neben dem flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung gibt es infolge der russischen Angriffe vielerorts kein Trinkwasser. Zeitweise brach die Wasserversorgung in Kiew komplett zusammen. Am Donnerstag sei sie wiederhergestellt worden – bis das Leitungssystem wieder voll ausgelastet sei, werde es aber noch dauern, sagte der Bürgermeister Witali Klitschko.

Laut Kiew hat das russische Militär am Mittwoch etwa 70 Raketen und Drohnen in der Ukraine abgeschossen. Wie bei früheren Angriffen waren die Ziele hauptsächlich Objekte aus dem Energiesektor. Nach Angaben der Air Force wurden 51 Raketen und 5 Drohnen abgefangen. Aber die verbleibenden Raketen töteten zehn Menschen, darunter ein Baby.

Die Versorgungslage in der Ukraine ist schwach

Stromausfälle sind nicht das einzige, was die Menschen in der Ukraine beunruhigt. Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew wird die Wasserversorgung zunehmend zum Problem.

General Surovikin ist berüchtigt dafür, Zivilisten anzugreifen

Der Kommandant der russischen Truppen in der Ukraine, General Sergej Surovikin, war dafür bekannt, dass er zivile Ziele angegriffen hat, um seine Gegner zu schwächen, als er in Syrien war. Nach seiner Ernennung in der Ukraine Anfang Oktober sind Angriffe auf die kritische Infrastruktur des Landes zu einem wichtigen Bestandteil der russischen Kriegsführung geworden.

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Moskau hat anerkannt, dass Zivilisten unter seinen Angriffen leiden

Der Kreml hat offen zugegeben, dass russische Angriffe für Zivilisten äußerst schmerzhaft sind. Die ukrainische Führung könne das Leid der Zivilbevölkerung leicht beenden, indem sie “den Forderungen der russischen Seite nachkomme”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Im Übrigen gebe es in Russland keine Einrichtungen, die für das Gemeinwohl wichtig seien, behauptete Peskow. “Es gab keine Treffer in sozialen Angelegenheiten und nichts”, sagte der Sprecher trotz der Zerstörung von Krankenhäusern, Schulen und Wohnungen.

Russlands UN-Botschafter will Kiew mit Bomben zur Realitätsnähe zwingen

Auch Moskaus UN-Botschafter Wassili Nebensja nahm kein Blatt vor den Mund. Russland werde das militärische Potenzial der Ukraine weiter untergraben, bis Kiew in den Verhandlungen eine „realistische Haltung“ einnehme, sagte Nebensia vor dem Sicherheitsrat in New York. Angriffe auf die Infrastruktur seien die Antwort „auf das Land voller westlicher Waffen und den unklugen Aufruf an Kiew, einen militärischen Sieg gegen Russland zu erringen“, sagte er. Die Ukraine fordert den Abzug aller russischen Truppen.

Warschau: Deutsche Patrioten in Polen in der Ukraine festgehalten

Die Regierung in Polen ließ derweil den deutschen Verteidigungsminister Christina Lambrecht save Warsaw hat vorgeschlagen, in der Westukraine ein amerikanisches Patriot-Flugabwehrsystem einzusetzen, das von Deutschland für die polnische Luftverteidigung angeboten wird. Dies sei eine gute Maßnahme, um „das westliche ukrainisch-polnische Grenzgebiet und das östliche polnisch-ukrainische Grenzgebiet“ zu schützen, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.

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Kiew, das mehr Waffen zur Abwehr von Luftangriffen fordert, begrüßte die Initiative. Allerdings einigten sich Lambrecht (SPD) und sein polnischer Kollege Mariusz Blaszczak darauf, dass das System in Polen stationiert werden soll, nachdem in der vergangenen Woche im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine zwei Zivilisten durch eine Rakete getötet worden waren.

Lambrecht sagte in Berlin, die Patrioten seien Teil der integrierten Luftverteidigung der Nato und für Nato-Territorium bestimmt. Sollen sie außerhalb des NATO-Territoriums eingesetzt werden, sollte dies zunächst mit der NATO und den Alliierten abgesprochen werden.

Das EU-Parlament hat Milliardenkredite für die Ukraine genehmigt

Das EU-Parlament hat Plänen für neue milliardenschwere Kredite von bis zu 18 Milliarden Euro für die Ukraine zugestimmt. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission ist das Darlehen an Bedingungen geknüpft. Im Gegenzug sollte die Ukraine die Korruption energischer bekämpfen und Justizreformen einleiten. Der Rat der Mitgliedstaaten muss der Verschuldung im Dezember noch einstimmig zustimmen. Seit Kriegsbeginn haben die EU und ihre Mitgliedsstaaten die Ukraine Berichten zufolge mit 19,7 Milliarden Euro unterstützt. (dpa/cgo)
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Nach einem massiven russischen Raketeneinschlag sind 80 Prozent der Haushalte in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ohne Wasser und Strom. (Foto: Imago)

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