Preisdruck und Fachkräftemangel im Handwerk

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): Jörg Dittrich. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): Jörg Dittrich.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): Jörg Dittrich.

Quelle: Michael Kappeler/dpa

Jörg Dittrich leitet in vierter Generation einen Dachdeckerbetrieb in Dresden. Als erster Ostdeutscher leitet er nun einen der vier führenden deutschen Wirtschaftsverbände – in einer schwierigen Zeit.

KAuch Arbeiterkunden müssen sich aufgrund gestiegener Energiekosten auf höhere Preise einstellen. Auch ein Fachkräftemangel könne sich zunehmend bemerkbar machen, sagte der neue Handwerkspräsident Jörg Dittrich der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Diese wird in den kommenden Jahren, wenn die Babyboomer in Rente gehen, ein kritisches Niveau erreichen.

„Es besteht die Gefahr, dass einige Handwerksleistungen nicht mehr angeboten werden. Das müssen wir unbedingt durch gemeinsame Anstrengungen von Politik und Gewerbe verhindern.“

Dittrich ist seit kurzem Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. „Das Handwerk steht unter großem Preisdruck“, sagte er. Löhne, Energiepreise und Sozialabgaben sind gestiegen. Der Anstieg der Materialpreise trägt ebenfalls zu einem starken Anstieg der Kosten bei. „Handwerk ist teurer, weil vieles teurer geworden ist und nicht, weil die Unternehmen es wollen“, sagte Dittrich. „Ich mache mir Sorgen, dass Handwerk für Kunden unerschwinglich wird. Das sollte nicht so sein.“

Der Präsident des Handwerks sagte, er halte die Sorge für berechtigt, dass die Schwarzarbeit aufgrund steigender Preise zunehmen werde. „Deshalb muss entlastet werden, weil die Differenz zwischen Nettoverdienst und Stundensatz mit Mehrwertsteuer immer größer wird.“ Handwerk ist arbeitsintensiv und arbeitsintensiv. Deshalb hoffe er, dass die Bundesregierung den Faktor Arbeit abschaffen und die sozialen Sicherungssysteme und deren Finanzierung zukunftssicher und generationengerecht grundlegend reformieren werde, sagte Dittrich. Die Wettbewerbsfähigkeit lohnintensiver Unternehmen hängt davon ab, dass die Lohnnebenkosten nicht aus dem Ruder laufen. “Aber genau das passiert jetzt.”

Oberste Priorität für den deutschen Handel habe die Fachkräftesicherung, sagte Dittrich. “Das überlagert alle anderen Themen, weil es letztlich darauf ankommt, ob wir die großen Themen des Wandels wie den Klimaschutz überhaupt angehen können.”

Das Handwerk ist anspruchsvoller, Produkte und Dienstleistungen sind komplexer geworden. «In Berufen wie Elektroniker/in für Systemintegrationsentwicklung sieht man schnell, dass es im Handwerk nicht darum geht, zu helfen oder eine Schubkarre zu fahren. Stattdessen brauchen wir sehr gute Leute, die mit guten Grundkenntnissen und Fähigkeiten aus der Schule kommen und sich dann weiterentwickeln können.“ Das heißt aber nicht, dass alle Handwerker Abitur haben müssen. Der Handel berichtete kürzlich, dass viele Unternehmen händeringend Auszubildende suchen.

Dittrich weiter: „Die Zahl der Schulabgänger sinkt und es steigt nicht nur im Handwerk, sondern in allen Bereichen der Wirtschaft der Druck, jenen Chancen zu geben, die früher weniger Chancen hatten.“ Menschen ohne oder mit schlechtem Schulabschluss sollen nach Möglichkeit in eine Ausbildung gebracht werden. Mehr Frauen müssen in den Arbeitsmarkt eintreten, und mehr Langzeitarbeitslose müssen befähigt werden, ihre Position auf dem Arbeitsmarkt wiederzuerlangen.

Notwendig ist auch eine „educational turn“ hin zu einer ihrer zentralen Bedeutung entsprechenden Wertschätzung der beruflichen Bildung. „Akademiker und Praktiker sind gleichermaßen wichtig für die Modernisierung und Transformation unseres Landes.“ Berufliche und akademische Bildung sollten finanziell gleich behandelt werden.

Zuwanderung aus anderen Ländern wird ein wichtiger Baustein zur Lösung des Fachkräfteproblems sein. Aber aus seiner Sicht sei die moderne Macht entscheidender, sagte Dittrich. „Wenn es so wenige sind, warum nutzen wir dann nicht die Innovationskraft, die im Handwerk selbst steckt, und schöpfen die technischen Möglichkeiten stärker aus? Beispielsweise entwickeln wir gerade in Zusammenarbeit mit einer Universität einen Dachroboter.“

Allerdings räumte Dittrich ein: „Sicherlich sind die Substitutionsmöglichkeiten durch Technik im Handel geringer als in vielen anderen Wirtschaftszweigen.“ Das ist auch gut so, denn in vielen Bereichen kann auch die beste Technik individuelles Handwerk nicht ersetzen. „Aber wir können die Arbeit erleichtern, indem wir mehr Technologie einsetzen, wie zum Beispiel Fliesen in den fünften Stock eines Wohnhauses zu bringen.“

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