Überall bessere Netze: Nur bei der Bahn gibt es keine Hoffnung

EGlobbing ist eine Kunst, die die Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland beherrschen. „Der Ausbau des 5G-Netzes schreitet besser voran als geplant“, teilte Telefónica mit. Konkurrent Vodafone sprach kürzlich von einem „goldenen Bau-Oktober“. Sie nutzten das “gute Wetter zu Beginn des Herbstes, um ihr Mobilfunknetz weiter zu stärken”.

Und auch die Telekom preist ihr Netz als „beste Infrastruktur“ Deutschlands an. Doch wenn Tester der Fachzeitschriften „Connect“ und „CHIP“ mit ihren Messgeräten durch die Lande fahren, werden auch Handy-Manager unruhig.

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Tester sind daran gewöhnt, dass der Handyempfang in Deutschland in allen Netzen nach und nach besser wird. Aber an einem Ort ist das nicht der Fall: in Zügen. „Die größte Baustelle des Mobilfunknetzes ist und bleibt die Deutsche Bahn“, heißt es bei „CHIP“.

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Testexperten sehen in Fernverkehrszügen kaum eine Verbesserung der Netzqualität und kritisieren die hohe Anzahl an Telefonaten mit schlechter Sprachqualität. “Im Vergleich zum Vorjahr sind einige Werte schlechter.”

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„Connect“ attestiert leichte Fortschritte bei Sprachverbindungen in Fernzügen, beim mobilen Internet seien diese aber „sehr gering“. „Gerade im Vergleich zur beeindruckenden Performance der Schweizer Anbieter gibt es aber bei allen deutschen Anbietern noch Luft nach oben“, urteilen die „Connect“-Tester. Die kritisierten Dienste sind immer die gleichen: Anrufe brechen ab, Verbindungsaufbau dauert lange, Internetvideos ruckeln.

Quelle: Infografik WELT

Bei der letzten Frequenzauktion mussten sich die Netzbetreiber sogar zu weitreichenden Ausbauzielen für Schienenstrecken verpflichten: Bis Ende des Jahres mussten sie alle wichtigen Verkehrswege und Strecken mit mehr als 2000 Fahrgästen mit mindestens 100 Megabit übergeben und bis Ende 2024 alle anderen Strecken mit mindestens 50 Megabit.

Allerdings hat die Bedingung ein Stigma. Es reicht aus, wenn eine Strecke nur von einem Anbieter abgedeckt wird. Wer einen Vertrag beim falschen Netzbetreiber hat, profitiert davon nicht.

Der schlechte Empfang liegt auch an den Zügen selbst

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Tester in den Zügen den Details dieser Erweiterung nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt haben. Gemäß den Ausbauverpflichtungen müssen Geschwindigkeiten nur außerhalb der Züge erreicht werden, nicht auf den Zügen.

Und tatsächlich kommt dort weniger aus dem Netz. Einerseits teilen sich die Fahrgäste die Geschwindigkeit der Handyzelle, andererseits sind die Waggons mit allerlei Metall und anderen Materialien gut vor Funkwellen geschützt.

Das gilt auch für die Fenster, die mit einer dünnen Metallschicht überzogen sind, damit nicht zu viel Wärme durch den Luftzug entweicht. Der Austausch dieser Fenster ist teuer, weil die Züge dafür in die Werkstatt müssen.

Aber die Bahn hat schon sehr wenige Züge. In der Zwischenzeit sollen Verstärker in den Zügen das Problem lösen. Mobilfunkbetreiber berichten jedoch, dass diese Geräte oft nicht funktionieren.

Mobilfunkantennen an Bahngleisen

Inzwischen hegen sie große Hoffnungen auf eine andere Lösung. Sie wollen einen Teil ihrer Frequenzen direkt auf Strecken nutzen, für die sie keine Genehmigung erhalten haben. Der Grund: Sie befinden sich zu nah am Bahnfunk, der GSM-R heißt.

Handyantennen können den Sprechfunk für Lokführer und Fahrdienstleiter, den Rangierfunk der Lokomotive oder Notrufe stören. Denn dort ist oft die Technik installiert, die hinsichtlich der Frequenzbegrenzung nicht streng genug ist.

Eigentlich hätten die Radios bis auf wenige Ausnahmen alle ausgetauscht werden müssen. An rund 15.000 Standorten wollen die Mobilfunkbetreiber ihre Funkleistung entsprechend erhöhen. Aber hierher kommt niemand. Die Ersatzfrist ist abgelaufen und wurde von der Bundesnetzagentur bis Mitte Dezember 2024 für unwirksam erklärt.

Mehr als 1000 Lokomotiven verschiedener Bahnunternehmen seien noch nicht umgerüstet worden, was nach Angaben der Netzagentur auf die pandemiebedingten Verzögerungen und vor allem auf noch nicht abgeschlossene Zulassungsverfahren zurückzuführen sei. „Das wirft uns um Jahre zurück“, sagte ein Telekom-Sprecher.

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Mobilfunkbetreiber haben genug zu tun. „Wir müssen schnellstmöglich die Funklöcher im Mobilfunk schließen“, sagte der auch für Digitalfragen zuständige Bundesverkehrsminister Volker Wissing. „Allerdings zeichnet sich ab, dass der Versorgungsbedarf seitens der Telekommunikationsbranche bis Ende 2022 voraussichtlich nicht erfüllt werden wird.“

Ein Bericht der Bundesnetzagentur an ihren Beirat zeigt, dass keiner der drei etablierten Betreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica die Ausbauanforderungen für den 4G-Funkloch erfüllen dürfte.

Baden-Württemberg hat die schlechteste Abdeckung

Das Vergleichsportal Verivox hat die Netzabdeckung in Deutschland auf Basis des Handy-Trackings der Bundesnetzagentur mit Zahlen vom Oktober analysiert und von den Netzbetreibern selbst bereitgestellt. Demnach ist rund ein Fünftel der deutschen Bundesfläche unzureichend mit Mobilfunk versorgt.

Hier befinden sich die „grauen Flecken“. Damit sind Gebiete gemeint, in denen mindestens ein Mobilfunkanbieter kein Datennetz anbietet. Baden-Württemberg ist vor diesem Hintergrund mit einer Netzlücke von knapp 25 Prozent am schlechtesten versorgt.

„Der Netzausbau in Metropolregionen ist für den Betreiber profitabler und öffentlichkeitswirksamer, als eine Funkzone in einer dünn besiedelten ländlichen Region zu schließen“, sagt Jens-Uwe Theumer, Telekommunikationsexperte bei Verivox.

Quelle: Infografik WELT

Netzbetreiber zeigen zwar große Schwächen bei Zügen, grundlegende Netztests geben ihnen aber gute Noten. Beim „Connect“-Test, der prominentesten Studie zur Netzqualität im Mobilfunk in Deutschland, erreichte die Telekom erstmals sogar die Note „sehr gut“. Vodafone und O₂ schnitten mit „sehr gut“ ab. In dieser Reihenfolge werden auch Anbieter von „CHIP“ ausgewertet.

Beide Tests werden mit großem Aufwand durchgeführt. Sowohl die Sprachtelefonie als auch die mobile Internetqualität werden in Groß- und Kleinstädten, auf der Straße und in der Bahn gemessen.

Zudem werden in Crowdsourcing-Analysen die Werte erfasst, die tatsächlich beim Nutzer ankommen. Daten von mehreren hunderttausend Smartphone-Nutzern in Deutschland werden analysiert, was automatisch im Hintergrund über Apps geschieht.

Je nach Kategorie sind die Unterschiede zwischen den Netzbetreibern etwas unterschiedlich, die Telekom kann sich aber überall in der Reihenfolge durchsetzen. Im „Connect“-Test erzielte Telefónica in diesem Jahr jedoch mit seinem O₂-Netz den deutlichsten Punktezuwachs. Bei der Sprachbewertung liegt das Netz auf Augenhöhe mit Vodafone, nur in der Bahn zeigt es deutlichere Schwächen.

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