Westliche Sanktionen : Wie der Moskwitsch in Putins Autoplan passt

Veranstaltung: 23.11.2022 15:22 Uhr

In Moskau läuft im alten Renault-Werk das neue Modell des sowjetischen Kultautos Moskwitsch vom Band. Es ist ein Fehler, unter dem Druck westlicher Sanktionen zurückzukehren.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

Nicht nur in Russland sind Autos der Marke Moskwitsch Kult. Das Auto, das jahrzehntelang die Straßen der Sowjetunion und der DDR beherrschte, hat auch in Westeuropa eine große Anhängerschaft. „Mossi“-Fans, wie sie sich selbst nennen, treffen sich regelmäßig, um ihre geliebten Autos vorzustellen.

21 Jahre ist es her, dass der letzte Mittelklassewagen der Marke Moskwitsch in Moskau vom Band lief, 2006 wurde das Unternehmen liquidiert. Aber jetzt, unter dem Druck westlicher Sanktionen, schlägt Russland eine neue Seite in Moskwitschs Buch auf.

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Mag Putin „Moskwitsch 2.0“ immer noch?

Die Produktion des neuen Moskwitsch-Modells hat heute im ehemaligen Renault-Werk in Moskau begonnen. Dies ist der erste, der als Benziner mit einem 150-PS-Motor gebaut wird. Ende des Jahres wird es auch eine elektronische Version geben. Der Verkauf ist nach russischen Angaben für das erste Quartal 2023 geplant.

Laut einer aktuellen Erklärung von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ist das neue Moskwitsch-Modell das Auto, das “jeder Russe” kaufen möchte. Auch Staatschef Wladimir Putin interessiert sich für „Moskwitsch 2.0“.

Die russische Autoindustrie hat es hart getroffen

Für Russland ist die Produktion des neuen Moskwitsch-Modells ein wichtiger Teil seines Feldzugs gegen den Westen. Putin will zeigen, dass westliche Sanktionen dem Land nichts anhaben können und wichtige Güter wie Autos selbst produzieren können.

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Tatsächlich ist die Automobilindustrie jedoch eine der am stärksten von Sanktionen betroffenen Branchen. Von Januar bis Oktober gingen die Neuwagenverkäufe in Russland nach dem Rückzug westlicher Hersteller innerhalb eines Jahres um 60 Prozent zurück.

Chinesische (Auto-)Konzerne als Profiteure

Außerdem ist er nicht so archaisch wie der berühmte Name. Stattdessen sollen chinesische Hersteller für Design und Motor des neuen Modells verantwortlich sein. Moskvich-3 ist eine Kopie des chinesischen Stadt-SUV JAC S4. Chinesische Unternehmen gehören zu den Hauptnutznießern westlicher Sanktionen gegen Russland.

Aber die Geschichte von Moskwitsch ist auch ein Lehrstück für die Beziehungen zwischen der westlichen (Automobil-)Industrie und Russland. Das Moskauer Werk, in dem jetzt der neue Moskwitsch produziert wird, hat eine lange und wechselvolle Geschichte.

Moskauer Werk mit westlich geprägter Vergangenheit

Der amerikanische Autokonzern Ford wurde vor fast 100 Jahren gegründet. Ab 1946 lief der Moskwitsch vom Band – ursprünglich auf Basis einer Kopie des Opel Kadett. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erwies sich dies jedoch als unangemessen. Die Produktion wurde 2001 eingestellt.

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2005 begann der französische Konzern Renault im Rahmen eines Joint Ventures mit der Stadt Moskau mit der Produktion von Autos in Russland, später wurden im Moskauer Werk die Dacia-Modelle Logan, Duster und Sandero produziert.

Doch die Zusammenarbeit mit dem Westen endete abrupt, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Seit März herrscht im Moskauer Werk Ruhe, im April übergab Renault den Autokonzern an die Stadtverwaltung – für den symbolischen Preis von einem Rubel.

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