Zukunft des Frankfurter Kultur-Campus: Neues und bezahlbares Wohnen im alten Juridicum? | hessenschau.de

Auf dem alten Universitätscampus in Frankfurt soll ein Kulturcampus mit Universität, Kunstzentrum und Wohnungen entstehen. Aber sollen wir die alten Gebäude der Universität einfach abreißen? Jetzt eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Redesign-Idee.

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Von Christoph Scheffer

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Eigentlich hätte es schon längst verschwinden sollen, „Judgement“. Ein Bürogebäude aus den 1960er Jahren, 50 Meter hoch, jahrzehntelang Sitz der juristischen Fakultät der Goethe-Universität Frankfurt. Dem Bürohochhaus sollte das gleiche Schicksal widerfahren wie dem 2014 spektakulär gesprengten AfE-Tower. wurde. Doch die Planungen für die seit mehr als zehn Jahren laufende Campuskultur auf dem alten Campusgelände sind ins Stocken geraten.

Obwohl an Stelle des AfE-Turms längst zwei Luxushochhäuser stehen, ist von der versprochenen kulturellen Nutzung des Geländes noch nichts zu sehen. Besonders ärgerlich ist dies für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, deren Neubau hier dringend benötigt wird. Das Frankfurter LAB mit seinen Ballett- und Musikensembles wünscht sich schon lange ein neues Zuhause in zentralerer Lage.

Große Wohnungen mit Balkon und Wintergarten.

Für Juridicum hingegen könnte eine verspätete Planung ein Glücksfall sein, der einem alten Bürogebäude neues Leben einhauchen könnte. Architektin Astrid Wuttke kann sich vorstellen, das Juridum zu erhalten und zu einem attraktiven Wohnhaus zu bezahlbaren Preisen zu machen. Wutke präsentierte in Eigenregie eine faszinierende Studie Perspektiven.

Balkone, Wintergärten oder Arkaden können die Fassade eines ehemaligen Bürohochhauses auflockern. Auch im Inneren des Gebäudes seien dank der Betonskelettbauweise unterschiedlichste Grundrisse für ganz neue Wohnformen denkbar, so Wuttke, etwa große Wohnungen mit gut separierten Privatbereichen.

Eine Alternative zu Luxuswohnungen

In Frankfurt gibt es dafür einen Markt, aber es braucht Mut zum Experimentieren und Querdenken. Auf jeden Fall, betont Wutke, sollten die für Studenten vorgesehenen Wohnungen bezahlbar sein, im Gegensatz zu den vor Ort bereits gebauten Luxus- und Hochhauswohnungen.


Frankfurter Architektin Astrid Wuttke

Astrid Wuttke ist Partnerin im Architekturbüro schneider+schumacher in Frankfurt, das bereits über umfangreiche Erfahrung in der Wiederbelebung und Sanierung von Gebäuden der Nachkriegsmoderne in Frankfurt verfügt. Die Architekten renovierten den Silvertower (ehemals Dresdner Bank, heute Deutsche Bahn) und belebten das alte Amerika-Haus, das heute das Cervantes-Institut beherbergt. Auch die neuen unterirdischen Hallen des Städel Museums wurden von schneider+schumacher entworfen. In einem Ideenwettbewerb 2013 schlug das Büro als einziges eine Neugestaltung des Juridicums vor.

Ein neues Selbstverständnis für Architekten

Astrid Wuttke findet, dass Weiterbauen statt Neubauen schon aus ökologischen Gründen zum neuen Standard werden sollte. Denn Bau, Betrieb und Rückbau von Gebäuden sind für 40 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Dem öffentlichen Sektor kommt eine besondere Rolle zu, sagt er.

Aber auch eine Veränderung des Selbstverständnisses von Architekten ist notwendig. „Für das Weiterbauen muss ich viel kreativer sein als für einen Neubau auf der grünen Wiese“, sagt Wuttke. „Ich muss mich mit dem bestehenden Gebäude auseinandersetzen und versuchen, die Schwachstellen zu beseitigen und die Stärken herauszuarbeiten.

Bauen im Lager – der Umwelt zuliebe

Weiterbauen statt Abreißen, das ist gerade in der Klimakrise der neue Trend in der Architektur. Immer mehr junge Architekten arbeiten an solchen Projekten. Beispiele dafür zeigt das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt derzeit in seiner aktuellen Ausstellung „Nichts Neues“. besser bauen Dauer”.

Auch für das Juridicum des alten Campus der Universität Frankfurt Bockenheim kann eine Um- und Weiterbebauung in Aussicht gestellt werden. Aus dieser Perspektive ist es geradezu ein Glück, dass der komplexe und konfliktreiche Planungsprozess der Kulturuniversität durch Stadt und Land so lange gedauert hat und das Juridicum bisher vom Abriss verschont geblieben ist.

Der Architekturwettbewerb steht bevor

Allerdings drängt die Zeit. Ein Architekturwettbewerb für den künftigen Kulturcampus soll zeitnah ausgeschrieben werden. Darin sind sich zumindest das Land Hessen und die Stadt Frankfurt einig. Der Wettbewerb soll zu einer konkreten Umsetzung der Landesuniversität führen und neue Ideen für das Kunstzentrum schaffen.

Was mit der Justizbehörde geschehen soll, sollte in der Ausschreibung nicht vorgesehen werden. Die Stadt sei sogar “grundsätzlich offen”, die Quittung von Juridicum zu prüfen, sagte eine Sprecherin des Kulturamtes auf Anfrage. Die Kreativität der beteiligten Architekturbüros ist dabei ebenso wichtig wie das ökologische Bewusstsein der Stadt- und Dorfbauer.

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