“Zwischen Welten” – Juli Zeh und Simon Urban: Ein Debattenroman | NDR.de – Kultur – Buch

Stand: 25.01.2023 06:20

Julie Zeh und Simon Urban thematisieren die Brutalität der Debattenkultur in ihrem diesmonatigen NDR-Buch Zwischen den Welten. Sie zeigen, wie unterschiedlich Menschen auf gesellschaftliche Probleme blicken. Das Buch wurde heute offiziell in den Handel gebracht.

Buchumschlag "zwischen Welten" Von Julie Zeh und Simon Urban.  © Luchterhand-Verlag

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Von Katya Wise

Julie Zeh ist eine der erfolgreichsten und produktivsten Autorinnen Deutschlands. Nicht nur die Romane „Unterleuten“ und „Über Menschen“ waren Bestseller. Auch in politische Debatten mischte er sich mehrfach ein. Dies spiegelt sich in seinem neuen Buch Between Worlds wider, das er zusammen mit Simon Urban entwickelt und geschrieben hat.

Früher hätte man das Buch Briefroman genannt. Heute gehen E-Mails und WhatsApp-Nachrichten zwischen Stefan und Teresa hin und her;

Von außen betrachtet sind wir beide ziemlich komödiantisch. Sie sind der beste Journalist in Hamburg, ich bin Milchbauer aus der Provinz Brandenburg. Könnte eine sehr lustige Geschichte werden.
Leseprobe

Eine Geschichte, die es in sich hat. Schon während ihres Germanistikstudiums in Münster haben die beiden in ihrer Wohnung viel über Politik diskutiert und gestritten. Teresa übernahm dann den Hof ihres Vaters. Stefan wurde stellvertretender Chefredakteur der bekannten Hamburger Wochenzeitung „Der Bote“. Jetzt, in ihren frühen 40ern, nehmen sie die Flaute wieder auf.

Simon Urban. „Wir machen uns Sorgen um den Stand der Debattenkultur in Deutschland.“

Ihr lebhafter Austausch spiegelt wider, was Julie Zeh und Simon Urban in ihren Gesprächen herausgefunden haben. „Wir sind besorgt über den Zustand der Debattenkultur in Deutschland, wo man sich fragen muss, ob man überhaupt noch von Debattenkultur sprechen kann“, sagt Simon Urban. “Oder ist es nicht längst Nicht-Kultur geworden?” Die Gesellschaft ist gespalten und verschiedene Lager wollen oft nicht mehr miteinander reden. Das tun Teresa und Stefan, auch wenn sie immer wieder aneinander geraten.

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Teresa kämpft um ihre Existenz, um das Überleben ihrer Farm. Stefan ist in seiner journalistischen Elite-Blase relativ gut aufgehoben, sieht seinen Beruf aber zunehmend in Frage gestellt. „Ihr Journalisten seid die besten Erzieher der Reformschule der Bundesrepublik Deutschland“, wirft Tereza ihm vor. Andererseits engagieren sich junge Klimaaktivisten zu wenig für “Der Bote”.

Zeh und Urban sind nah dran an gesellschaftlichen Debatten. Der Roman ist in Teilen erzählt wie ein Rückblick auf die vergangenen ein, zwei Jahre. Es geht um weiße Künstler, die mit Dreadlocks auftreten und dafür massive Kritik einstecken müssen. Ein Biologe, der einen Vortrag über “Bisexualität” halten will, wird von Demonstranten unterbrochen. Ein offener Brief gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, unterzeichnet von Julie Zeh. Aber Urban und Zeh sehen es durch die Augen ihrer Charaktere. „Wir wollen nicht zu Materialien Stellung beziehen, die bestimmte Meinungen bilden. Das ist absolut nicht der Zweck dieses Romans, aber wir wollen zeigen, wie unterschiedlich Menschen über solche Dinge denken können“, erklärt die Autorin. “Was sind die zugrunde liegenden Mechanismen für solch unglaublich aggressive Konflikte?”

„Die Gesellschaft der digitalen Unterhaltung ist zu einer Gesellschaft des Hasses geworden“

Beide konzentrieren sich auf die Rolle von Social Media. Der Chefredakteur von „Der Bote“ bezeichnet den schwarzen Kollegen halb sarkastisch als „angesehenen Quotenschwarzen“. Ein heftiger Sturm entwickelt sich und der Mann verliert mehr als seinen Job. „Die digitale Unterhaltungsgesellschaft hat sich in eine Hassgesellschaft verwandelt“, sagt Stefan geschockt.

Teresa gerät vor allem wegen der Bürokratie zunehmend in Verzweiflung und wird aus ihrer Sicht zur Aktivistin gezwungen. Zeh und Urban halten den Spannungsbogen durch mehrere E-Mails aufrecht. B. in E-Mails und Messenger-Nachrichten, wo politische und private Themen eine Rolle spielen. Wie schafft es ein Betriebsleiter, die Familie zu ernähren? Ist Stefan nicht eher egoistisch und feige?

Julie Zeh und Simon Urban präsentieren Between Worlds. die Debatte geht weiter

Zeh und Urban schreiben lebhaft und scharf und porträtieren eine Gesellschaft, die oft Meinungen über Tatsachen stellt. Ein Zeitgeistroman? Ja und nein. Between Worlds ist fest im Hier und Jetzt verankert, zeigt fast zu viele Diskussionen, kreist aber konsequent um ein großes Thema; Wie wichtig sind Argumente und eine konstruktive Streitkultur für die Demokratie? Die Form des modernen Briefromans bietet sich dafür gut an, zumal Teresa und Stefan sich gelegentlich in ihren kurzen Botschaften verirren. Aber sie zeigen, dass die Debatte funktioniert.

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zwischen Welten

Von Julie Zeh und Simon Urban

Seitennummer.
448 Seiten
Genre:
ein Roman
Herausgeber:
die Hand
Veröffentlichungsdatum:
25. Januar 2023
ZUR BESTELLUNG:
978-3-630-87741-9
Kosten:
24 €

Dieses Thema im Programm.

NDR Kultur |: Matinee 16.01.2023 |: 7:20 Uhr

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Romane

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